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Haus Atlantis

Haus Atlantis, Himmelssaal aktuell
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Benannt nach dem sagenhaften Erdteil „Atlantis" und entworfen von Bernhard Hoetger in den Jahren 1930/31, verkörpert dieses Haus eine gebaute Atlantis-Utopie.

Auf seiner Suche nach den Ursprüngen der Menschheit war Ludwig Roselius den umstrittenen Theorien des Früh- und Vorgeschichtsforschers Herman Wirth aufgesessen. Dieser vermutete den versunkenen Erdteil Atlantis in der Nordsee, von Germanen bevölkert, die dann auszogen, um die Kultur nach Ägypten und ins Zweistromland zu bringen. So sei die älteste Kultur die germanische. Diesen Führungsanspruch wollte Hoetger mit einer futuristischen Architektur dokumentieren: Aus der ungewöhnlichen Materialkombination Glas, Holz und Stahlbeton in stark geometrischen Formen erbaut und im modernen Art-Déco-Stil eingerichtet, diente es innen aber keineswegs weltanschaulichen Zwecken, sondern wurde von Roselius als Zweckbau mit Vortrags- und Lesesaal, Sammlungs- und Clubräumen dem von ihm mitbegründeten ‚Club zu Bremen‘ als Domizil zur Verfügung gestellt.

Die Fassade hingegen war ein beredtes Zeugnis des Germanenkultes: Nach Motiven aus der Edda und den Atlantis-Visionen Wirths gestaltete Brüstungstafeln mit den germanischen Monatsnamen umrahmten die Fenster. Als Höhepunkt wachte über dem Eingangsbereich der so genannte "Lebensbaum" - eine großformatige Holzplastik mit Darstellungen der germanischen Schicksalsmächte und der Figur des "atlantischen Heilsbringers". Ein eigentümliches Götzenbild, in dem sich der gekreuzigte Christus mit dem heidnischen Odin mischte.

Im Oktober 1944 brannte die expressive Fassade ab und wurde komplett vermauert, weil im Innern mit den Atlantis-Lichtspiele und den Kammerspielen in der Böttcherstraße neue zeitgemäße Nutzungen gefunden waren. 1965 schließlich wurde die Fassade von Ewald Mataré in Backstein völlig neu gestaltet.

1988 wurde das Haus Atlantis aus dem Gesamtensemble Böttcherstraße herausgelöst und verkauft. Der neue Eigentümer, der schwedische Hotelkonzern Scandic, integrierte das Haus Atlantis in ein nebenan gebautes neues Hotel und sanierte es umfangreich. Weitgehend original erhalten sind das Treppenhaus und der Himmelssaal, die zu den interessantesten Zeugnissen deutscher Architektur der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zählen.

Heute ist das Haus Atlantis Bestandteil des Hilton Bremen.