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Das Gesamtkunstwerk

Die Böttcherstraße von oben als kleine Stadt in der Stadt, so wie Ludwig Roselius sie sehen wollte
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Mit ihrer geschlossenen Bebauung auf nur wenig mehr als einhundert Metern und als Verbindung zwischen Markt und Weser, zählt die Böttcherstraße heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bremens. Museen, Kunsthandwerkstätten in verwinkelten Höfen, Gastronomie, Hotel und hochwertige Einzelhandelsgeschäfte bilden hier eine eigene kleine Welt. Dabei ist die Böttcherstraße kein zufällig erhaltenes, mittelalterlich anmutendes Ensemble, das als Museumsgasse hergerichtet wurde, sondern eine bewusst geplante, konzipierte Häusergruppe, die, bis auf das Roselius-Haus, in der Zeit zwischen 1922 und 1931 entstanden ist.

Mit der Vollendung des Paula-Becker-Modersohn-Hauses und des Hauses Atlantis waren seinerzeit Gebäude entstanden, die wegen ihrer höchst ungewöhnlichen Formensprache nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt Aufsehen erregten. Dies war auch die Absicht des geistigen Vaters und Financiers der Böttcherstraße, Ludwig Roselius (1874-1943). Als Kaffeekaufmann (HAG), Kunstliebhaber, Mäzen und Visionär setzte er in dieser Straße seinen Lebenstraum in Architektur um. Die Bauten sollten nicht nur als Werbung für seinen Kaffee HAG dienen, sondern auch seiner Weltanschauung, seinen Utopien Ausdruck verleihen, die dann vom Bildhauer Bernhard Hoetger und dem Bremer Architektengespann Runge & Scotland in Architektur umgesetzt wurden. Ausgangspunkt für Roselius war die Rückbesinnung auf die niederdeutsche Kultur in Sprache, Kunst und Kunsthandwerk.

Die Idee war, neben dem Werbeaspekt für Kaffee HAG, mit der Böttcherstraße nach dem als Schmach empfundenen Ausgang des ersten Weltkriegs einen neuen kulturellen Impuls in Deutschland zu wagen: Eine Verbindung von traditioneller Kunst und Kunsthandwerk mit der schöpferischen Moderne. Bewusst konzipiert auch als Touristenattraktion, als neues Idealbild der 'Stadt in der Stadt', sollte sie auch dem Ausland den kulturellen Neubeginn in Deutschland signalisieren. So ist Roslius' Ausspruch "Die Böttcherstraße ist ein Versuch deutsch zu denken" zu interpretieren.