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Architektur

Der Lichtbringer

Willkommen in der Böttcherstraße. Wenn Sie sich der „heimlichen Hauptstraße Bremens“ vom Markt aus nähern, wird der goldene Lichtbringer unweigerlich Ihren Blick auf sich ziehen.

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Angebracht direkt über dem Eingang zur Böttcherstraße zeigt das 1936 entstandene Bronzerelief von Bernhard Hoetger einen vom Himmel stürzenden Jüngling, der sein Schwert abwehrend gegen ein dreiköpfiges Drachenwesen richtet.

Heute ist der Lichtbringer, der vor dem Zweiten Weltkrieg einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Böttcherstraße leisten konnte, das wohl meistfotografierte Objekt der gesamten Straße.

Haus der Sieben Faulen

Seinen heutigen Namen erhielt das Haus nach seiner Wiederherstellung 1954. Schon zur Zeit der Entstehung der Böttcherstraße wurde die namensgebende Legende durch die Steinfiguren auf den Treppengiebeln von Aloys Röhr und den Sieben-Faulen-Brunnen von Hoetger aufgegriffen. Die Brüder sind seit jeher ein Symbol für Erfindergeist und Einfallsreichtum.

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Das heutige Haus der Sieben Faulen wurde damals aufgrund seiner Lage am Marktplatz von Scotland und Runge als „HAG-Haus“ konzipiert, um im hauseigenen „Propaganda-Raum“ Kaffee und Kakao zu präsentieren. Regionale Baumaterialien wie Backstein und Sandstein verleihen dem Gebäude einen bodenständigen Charakter, während stilistisch Elemente der hansestädtischen Gotik und des englischen Landhausstils verarbeitet werden. Gauben, Galerien und Zwerchgiebel sorgen für eine abwechslungsreiche Fassadengestaltung. Die damalige Kaffee-Probierstube ist der einzige original erhaltene Laden der Straße und beherbergt heute das Bremer Tee-Handels-Kontor. Außerdem sind hier der 7-Faulen-Laden, der Le Creuset Shop sowie das Kinderbekleidungsgeschäft Kaenguru ansässig.

Paula-Becker-Modersohn-Haus

Aus architektonischer Sicht ist das eigenwillige Gebäude zusammen mit Haus Atlantis eines der unbestrittenen Highlights der Straße.

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1927 von Roselius’ Freund Bernhard Hoetger gebaut, war es das weltweit erste Museum, welches einer Malerin gewidmet wurde. Hoetger hatte nach deren Tod eine Sammlung ihrer Bilder erworben und stellte diese in einem dementsprechend außergewöhnlichen Gebäude zur Schau. Dass Hoetger eigentlich Bildhauer war, zieht sich durch jede Facette der Gestaltung und macht das Bauwerk zu einem seltenen Beispiel der Architektur des Expressionismus. Zwei Türme, kein sichtbares Dach, geschwungene Wände, organisch geformte Treppen, bunte Malerei, überraschende Lichteffekte und eine kunstvoll gestaltete Decke erwecken den Eindruck einer „begehbaren Skulptur“. Die ideale Bühne für die Verbindung von bodenständigem Handwerk und schöpferischem Tun, für das Roselius im Innenhof vier kleine Läden schaffen lies. Handwerker produzierten ihre Waren hier sichtbar für die Kundschaft. Im Paula Modersohn-Becker Museum werden Werke der Künstlerin ausgestellt, während der Innenhof bis heute Werkstätten für hochwertiges Kunsthandwerk beherbergt. Hier befinden sich der Werkschau-Laden, die Goldschmiede Falk, Boettcher 8 und die beliebte Bremer Bonbon Manufaktur.

Roselius-Haus

Das Haus, mit dem alles begann. Ludwig Roselius kaufte es 1902 und machte es nach den Renovierungsarbeiten 1909 zum Sitz seiner Firma und zum Stammtisch der „Niedersachsenrunde“.

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Seinen heutigen Zweck erhielt das Gebäude schon 1928 mit dem Umbau zum Museum, das der Sammlerleidenschaft seines Schöpfers eine Bühne geben sollte. Der perfekte Ort für seine Kunstwerke aus Spätmittelalter, Renaissance, Gotik und Barock. Nach außen erhielt das Haus einen Schmucktreppengiebel durch die Architekten Carl Eeg und Eduard Runge. Die Innenräume wurden vom Maler Ernst Müller-Scheessel eingerichtet, der weit über das Konzept eines „Heimatmuseums für bürgerlich hanseatische Kaufmannshaushalte“ hinausdachte, indem er jeden Raum im Stil einer eigenen kunsthistorischen Epoche gestaltete. Im Versammlungsraum bot sich dem Besucher noch Gewohntes mit einer Einrichtung, die auch eine Hanseatenfamilie besessen haben könnte. Der Treppensaal hingegen verkörperte mit seiner Kassettendecke den Stil der Renaissance. Ein weiterer 1934 entstandener „gotischer“ Raum zeigte mit Glasmalereien, Skulpturen und französisches Chorgestühl gotische Ästhetik. Obwohl das heutige Roselius-Haus im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde, betritt man heute einen originalgetreuen Wiederaufbau.

Haus St. Petrus

Keine erfolgreiche Touristenattraktion funktioniert ohne Gastronomie. Um dieser Anforderung nachzukommen, ließ Roselius 1923 bis 1926 ein Gebäude durch Alfred Runge und Eduard Scotland errichten, mit dem zwei Restaurants – das Flett und das gediegene Weinlokal St. Petrus – einen mehr als attraktiven Standort erhielten.

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Ersteres bot deftige Landkost und war dementsprechend eingerichtet – ein Beispiel dafür ist die Verwendung von großen Wagenrädern als Kronleuchter. Die Einrichtung des „St. Petrus“ war seinerzeit prachtvoll und elegant, hat jedoch den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden. Ebenfalls zerstört aber durch den neuen Betreiber, das Atlantic Grand Hotel, zeitgenössisch eingerichtet wurden der Goldene Saal, das Zelt und der Scotland Saal über dem Flett, die damals wie heute für besondere Anlässe genutzt werden. Die Fassadengestaltung stellt wie so vieles Andere in der Böttcherstraße eine Verbindung von Tradition und Moderne her: Zwar erinnert der Giebel noch stark an typische hanseatische Baukunst – Arkaden, Gauben, Erker und die großen, kleinteiligen Fensterflächen sind jedoch eher an den englischen Landhausstil angelehnt. Der vom Markt aus sichtbare gotische Giebel wirkt ebenfalls modern, da die bekannten Merkmale hier bewusst ins Überdimensionale gesteigert wurden. Heute bietet das Haus neben der Gastronomie mit Ständiger Vertretung im Flett, Bar Freytag und dem Weinkontor St. Petrus auch Raum für kreative Medienagenturen.

Haus des Glockenspiels

Ein Bauwerk, das abgesehen vom Roselius-Haus vielleicht am deutlichsten die Traditionsverbundenheit seines Erbauers zum Ausdruck bringt: Die Liebe zur Heimat spiegelt sich in der typisch norddeutschen Fassadengestaltung wider, während das Glockenspiel Volks- und Seemannslieder erklingen lässt.

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Auch das zweitälteste Gebäude der Straße trägt heute einen anderen Namen als zur Zeit seiner Fertigstellung im Jahre 1924. Die mitten in der Inflationszeit durch Runge und Scotland gebaute Bremen-Amerika-Bank war eine Verbindung zweier benachbarter Kontorhäuser und sollte Roselius’ Wiedereinstieg in den amerikanischen Markt markieren. Heute befinden sich in diesem Gebäude der Friseursalon Luca Rizzo, das Filmkunsttheater Atlantis und das Designbüro Möhlenkamp & Schuldt. Das namensgebende Glockenspiel wurde 1934 angebracht und seitdem insgesamt zweimal erneuert. Zu einem siebenminütigen Spiel aus Volksliedern drehen sich im Turm angebrachte kolorierte Holztafeln. Sie wurden von Bernhard Hoetger entworfen und zeigen bedeutende Atlantiküberquerungen, vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. Ein weiterer Hingucker ist die von Eduard Scotland entworfene aus Mosaiksteinchen gefertigte Uhr, die die Fassade des Gebäudes ziert.

Robinson-Crusoe-Haus

Für Ludwig Roselius war die Romanfigur Robinson Crusoe eine Versinnbildlichung von hanseatischem Tatendrang und Pioniergeist.

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Inspirierende Eigenschaften, denen er mit dem Bau des Robinson-Crusoe-Hauses 1931 ein Denkmal setzte. Das letzte fertig gestellte Haus der Straße wurde nach Plänen von Roselius und Karl von Weihe gebaut und hatte zwei Funktionen: Während im Erdgeschoss Produkte von Kaba präsentiert wurden, nutzte der Club zu Bremen alle weiteren Räume für Tagungen und Veranstaltungen. Heute befinden sich hier Büros, Wohnungen und die Kinescope Film GmbH. Das Erdgeschoss ist jedoch seinem Erbauungszweck im weitesten Sinne treu geblieben. Die Privatrösterei Büchlers Beste Bohne verkauft und präsentiert hier erlesenste Kaffee-Produkte. Sechs Holztafeln von Theodor-Schultz-Walbaum zeigen im Treppenhaus wichtige Stationen aus Crusoes Abenteuern.

Haus Atlantis

Haus Atlantis ist das architektonisch bedeutendste und für Ludwig Roselius das symbolträchtigste Haus. Wenn inhaltlich das Roselius-Haus die Traditionspflege, das Haus St. Petrus die Werbung und das Paula-Becker-Modersohn-Haus das Künstlerische vertreten, so spiegelt das Haus Atlantis die utopische und zugleich ideologische Seite der Straße und ihres Erbauers wider.

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Dennoch sieht die Fassade seit 1965 deutlich anders aus als nach dem Bau durch Hoetger 1931. Der mit einer neuen Fassadengestaltung beauftragte Kölner Architekt Ewald Mataré distanzierte sich von der ursprünglichen Gestaltung. Roselius hatte mit vielen Verweisen auf die nordische Mythologie in der Außengestaltung seine durch Herman Wirth inspirierte Rassenideologie zum Ausdruck gebracht. Laut Wirth sollte die gesamte abendländische Kultur einem germanischen Volk entstammen, das gemeinsam mit der Insel Atlantis untergegangen war. Eine mehr als fragwürdige Theorie. Hoetger griff diesen Gedanken allerdings in einer hochmodernen Innen- und Außengestaltung auf. Die Verwendung von Glas, Eisen und Beton ermöglichte eine neue Formensprache, die eine passende Überleitung zur Inneneinrichtung im Art Déco-Stil herstellte. Durch das spindelförmige Treppenhaus, damals wie heute durch viele eingesetzte Glasbausteine lichtdurchflutet, gelangt man heute noch in den Himmelssaal mit seinem parabelförmigen Glasdach, welches das abstrahierte Muster eines Lebensbaums darstellt. Die unteren Stockwerke des Hauses, die als Clubräume genutzt wurden, waren deutlich weniger extravagant gestaltet. Heute ist Haus Atlantis Bestandteil des Radisson Blu Hotel.

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