Architektur & Geschichte

Robinson-Crusoe-Haus

Das Robinson-Crusoe-Haus wurde als letztes Haus der Straße 1931 nach den Plänen von Karl von Weihe und Ludwig Roselius d.Ä. gebaut. Die Romangestalt Robinson Crusoe von Daniel Defoe stand nach Roselius exemplarisch für hanseatischen Pioniergeist und Tatendrang.

Die Halle im Erdgeschoss wurde zunächst zur Präsentation von Kaba - Der Plantagentrank genutzt. Die weiteren Räume waren repräsentativ von Runge & Scotland eingerichtet und wurden von dem ‘Club zu Bremen’ bis zur Zerstörung des Hauses 1944 genutzt.

Heute befinden sich in diesem Haus Büros und Wohnungen. In der Crusoe-Halle im Erdgeschoss wird von der Bremer Privatrösterei Büchlers Beste Bohne ein Café und Kaffeeverkauf betrieben, in den oberen Etagen wirkt die Kinescope Film GmbH im medialen Bereich.

Fassade der Böttcherstraße zur Martinistraße, links das Robinson-Crusoe-Haus

Die Bildertafeln im Treppenhaus

Ludwig Roselius bewunderte Pioniergeist, Erfindungsreichtum und Tatendrang. In Daniel Defoes Romanhelden Robinson Crusoe sah er diese Eigenschaften vereint und benannte das Haus Böttcherstraße 1 nach ihm. Darüber hinaus setzte er dem Überlebenskünstler in der großen Halle im Erdgeschoss ein Denkmal: 6 großformatige Holztafeln, geschnitzt von Theodor Schultz-Walbaum, illustrieren die Abenteurergeschichte in üppigen Ausmalungen. Die Tafeln wurden 1954 - nach dem Wiederaufbau des Hauses - im Treppenhaus angebracht, wo sie auch heute noch zu sehen sind.

Die Tafeln beschreiben die Geschichte Robinson Crusoes auf den Tafeln.

Robinsons StrandungDie WildnisEr rettet FreitagBeider FreundschaftsbundHerbst und HoffnungDie Heimkehr

Haus der Sieben Faulen / HAG-Haus

Das Haus der Sieben Faulen wurde 1924-27 als HAG-Haus von Eduard Scotland und Alfred Runge erbaut. Es beherbergte bis zu seiner teilweisen Zerstörung 1944 u.a. Werberäume für Kaffee HAG und die Geschäftsstelle des Deutschen Werkbundes.

Nach der Wiederherstellung 1954 wurde es nach den Bremer Sagengestalten der Sieben Faulen benannt, die als große Steinfiguren von Aloys Röhr den Giebel des Hauses zum Markt hin stützen und einmal mehr in der Böttcherstraße ein Denkmal für den von Roselius so bewunderten Erfindergeist darstellen.

Heute findet man hier das Souvenirgeschäft 7-Faulen-Laden, das Tee-Handels-Kontor Bremen, den REMEMBER - Shop und das Kinderbekleidungsgeschäft Kaenguru.

Haus der Sieben Faulen

Haus des Glockenspiels

Zwei alte Lagerhäuser wurden 1922-24 durch die Bremer Architekten Eduard Scotland und Alfred Runge für die „Bremen-Amerika-Bank“, die Hausbank der Kaffee HAG, umgebaut.

Neben Archiv und Verwaltung der Böttcherstraße GmbH befindet sich hier heute der Friseursalon „Luca Rizzo“, das Filmkunsttheater Atlantis, das Designbüro Möhlenkamp und das berühmte Glockenspiel mit dem drehbaren Bilderturm.

Die Fassade enthält hübsche Details wie zum Beispiel die Gluckhenne, die an die Gründungsgeschichte Bremens erinnert oder die von Eduard Scotland entworfene blaugrundige, aus Mosaiksteinchen gefertigte Uhr.

Haus des Glockenspiels, 1924-42 als Bankhaus genutzt, heute Sitz der Böttcherstraße GmbH

Das Glockenspiel in der Böttcherstraße

Im Mai 1934 wurde das erste Glockenspiel aus 30 Meißener Porzellanglocken eingeweiht. Das Einzigartige an diesem Glockenspiel ist die Kombination mit einem drehbaren Turm im Mauerwerk zwischen dem Haus des Glockenspiels und dem Roselius-Haus. Hier rotieren zum Klang des Glockenspiels 10 geschnitzte und farbig gefasste Holztafeln, die bekannte Ozeanbezwinger zeigen. Entworfen wurden die Motive von Bernhard Hoetger im Auftrag Ludwig Roselius', der damit dem Pioniergeist und Tatendrang der Menschheit in der Böttcherstraße ein Denkmal setzen wollte. Die Glocken dieses ersten Spiels waren außen blau und innen vergoldet. Nach der teilweisen Zerstörung im zweiten Weltkrieg wurde 1954 das zweite Glockenspiel installiert, diesmal aus rein weißen Glocken. Seit 1990, nach umfangreicher Restaurierung auch der Holztafeln, befindet sich das dritte Glockenspiel zwischen den beiden Giebeln des Hauses, ebenfalls aus 30 Meißener Porzellanglocken.
Spielzeiten: von Januar bis März um 12, 15 und 18 Uhr
von April bis Dezember zwischen 12 und 18 Uhr zu jeder vollen Stunde

Die Liedfolge

Die Melodienfolge des jetzigen Glockenspiels, das am 13. Oktober 1990 vorgestellt wurde (Arrangement Professor Günter Schwarze, Dresden). Ein Klick auf den entsprechenden Player-Button spielt die Melodie im Browser ab. Bitte beachten Sie, dass die Melodien dem Urheberrechtsschutz unterliegen.

Informationsflyer zum Glockenspiel
Auf, Matrosen, die Anker gelichtet (Volkslied)
Steurmann, laß' die Wacht (Wagner)
Nordisches Seelied (Loewe)
Lustiger Matrosengesang (Volkslied)
Weserlied (Pressel)
Wenn ich ein Vöglein wär' (Brahms)
Die Gedaken sind frei (Volkslied)
Roland, der Ries', am Rathaus zu Bremen (Volkslied)
Wir wollen zu Land ausfahren (Volkslied)
Die große Sehnsucht (Schwarze)
Meißener Porzellanglocken

Die Bedeutung der Bildertafeln

Im einzelnen zeigen die Tafeln in ihrer Spielfolge:

  1. Leif "den Glücklichen", der mit seinen Wikingern in ungedeckten Segelbooten im Jahre 1000 Amerika entdeckte, und den Isländer Thorfinn Karlsefni, der von 1000 bis 1008 versuchte, das von Leif gefundene Land zu kolonialisieren. Er musste dem Druck der Indianer weichen. Sein Sohn Snorri war der erste Europäer, der in der Neuen Welt geboren wurde.
  2. Diedrick Pining und Hans Pothorst, aus Hildesheim stammende Seepiraten, die in dänischen Diensten standen und bereits im Jahre 1472 von Island aus mit etlichen Hansekoggen Nordamerika erreicht haben sollen. Auf dem Schaubild tritt ihnen von links ein Indianer entgegen.
  3. Christoph Columbus, der mit seiner spanischen Karavelle "Santa Maria" den Seeweg nach Indien suchte und dabei im Oktober 1492 Amerika endgültig für die Europäer entdeckte.
  4. Robert Fulton, der seit 1807 mit dem Dampfschiff "Claremont" auf Flüssen der USA erfolgreiche Probefahrten unternahm und damit die Dampfschifffahrt als erster zu praktischem und wirschaftlichem Erfolg führte. Im Jahre 1819 durchkreuzte der erste Steamer, die "Savannah", von New York aus den Atlantik und traf nach 25 Tagen in Liverpool ein.
  5. Kapitän Paul König, der mit dem Handels-Unterseeboot "Deutschland" im ersten Weltkrieg zweimal den Nordatlantik überquerte und wertvolle Ladung aus Amerika holte.
  6. Captain Sir John Alcock und Lieutenant Arthur Whitten Brown, britische Flieger, die im Juni 1919 mit einem Doppeldecker zum ersten Mal den Atlantik von Westen nach Osten ohne Zwischenlandung überquerten. Major Scott gelang das gleiche vier Wochen später mit dem Luftschiff R 34 von Schottland nach Mineola bei New York und wieder zurück.
  7. Charles A. Lindbergh, der mit seinem Eindecker "Spirit of St. Louis" im Mai des Jahres 1927 als erster im Alleinflug den Atlantik von New York nach Paris in 33 1/2 Stunden bezwang. Man erkennt den Eiffelturm und einen jubelnden Menschen.
  8. Hauptmann Hermann Köhl, Ehrenfried-Günther Freiherr von Hünefeld und Oberst James C. Fitzmaurice, die im April 1928 mit dem Flugzeug "Bremen" den Atlantischen Ozean im schwierigeren Ost-West-Flug überwanden.
  9. Ferdinand Graf Zeppelin, Erfinder des lenkbaren Luftschiffes, und Hugo Eckener, der im Oktober 1924 das erste deutsche Luftschiff ZR 3 sicher über den Atlantik führte.
  10. Die Schlusstafel zeigt den Spruch Leif "des Glücklichen" auf eine Schriftrolle: "Ihr kennt nur Kenntnis. Ihr kennt nicht des Willens heißen Trieb, der Kenntnis erst gebiert". In visionärer Schau weist der Erdkreis Ruderschiffe und die Fußspur der Menschen. Über Mond und Sternen im All grüßt die Hand des Schöpfers.
LeifPining, PothorstColumbusFultonKönigScott, Brown, AlcockLindberghKöhl, v. HünefeldZeppelin, EckenerLeitspruch

Paula-Becker-Modersohn-Haus

Das Paula-Becker-Modersohn-Haus wurde im Auftrag Ludwig Roselius' von Bernhard Hoetger als Ausstellungshaus mit Verkaufsraum 1926-27 erbaut. Hier entstand das weltweit erste Museum, das einer Malerin gewidmet wurde.

Mit seiner archaischen Formensprache, zwei Türmen und großflächigen Reliefwänden aus Backstein hat das Paul-Becker-Modersohn-Haus bei seiner Fertigstellung weltweit Aufsehen erregt. In Bremen kritisierte man vor allem den Spruch der Widmungstafel "Dieses ist das Paula Becker-Modersohn-Haus (...) das siegend steht, wenn tapferer Männer Heldentum verweht" und das abstrakte Glasrelief über dem Eingang zur Böttcherstraße. Dieses wurde 1936 - als Reaktion auf die Kritik der Nationalsozialisten an der Böttcherstraßen-Kultur - durch das vergoldete Bronzerelief ‚Der Lichtbringer‘ ersetzt. Der Lichtbringer kann als Huldigung an das Führerprinzip der Nationalsozialisten interpretiert werden.

Das Paula-Becker-Modersohn-Haus wurde 1944 bis auf die Umfassungsmauern zerstört und 1952-54 durch die Architekten Max Säume und Günter Hafemann außen weitgehend originalgetreu und innen verändert wiederaufgebaut. 1993 fand eine grundlegende Restaurierung durch die Sparkasse Bremen statt, in deren Zuge das im Krieg zerstörte 3. OG wiederaufgebaut wurde. Das Haus enthält heute das Paula Modersohn-Becker Museum mit der umfangreichen Sammlung von Gemälden der Künstlerin und der Sammlung Bernhard Hoetger.

Im Hof des Paula-Becker-Modersohn-Hauses, im Handwerkerhof, befindet sich der „Sieben-Faulen-Brunnen“ von Bernhard Hoetger und Werkstätten für Kunsthandwerker, die – von Ludwig Roselius initiiert und bis heute tradiert – in Schauwerkstätten hochwertiges Kunsthandwerk frei gestalten.

Heute beherbergt das Haus das Paula Modersohn-Becker Museum, den Handwerkerhof mit Goldschmiede, Glasbläserei und Bremer Bonbon Manufaktur, sowie den Werkschau-Laden.

Das Paula-Becker-Modersohn-Haus zählt zu den wichtigsten Bauten des 'Backsteinexpressionismus'